Buchproduktion, Fehler, Buchgestaltung

55 typische Fehler in der Buchproduktion und wie man sie vermeidet – Interview mit Monika Wintjes

»Ein Buch ohne Fehler gibt es nicht.« (Ernst Probst)

Aber wie kommen die Fehler in die Bücher? Welche gibt es und wie werden sie bezeichnet? Anhand praxisbezogener Texte und unterhaltsamer Illustrationen werden 55 typische Fehler präsentiert und Wege aufgezeigt, diese zu vermeiden: Augenpulver, Bleiwüste, Deppenapostroph, Durchscheinen, Falsche Anführungszeichen, Fliegenschiss, Geistereffekt, Hurenkinder, Moiré, Rückenbruch, Schusterjunge, Treppeneffekt, Passerungenauigkeit …

Interview mit Monika Wintjes zum Buch »Buchmakel«.

Das Foto entstand im Buchstabenmuseum

Wie entstand die Idee zu dem Buch? Können Sie uns einen kleinen Einblick in den Entstehungsprozess geben?

Ein Buch ist ein sehr komplexes Produkt, bei dessen Herstellung von jeher viele Fehler passieren können. Die häufig historisch geprägten Begrifflichkeiten dieser Fehler fand ich schon immer spannend und vor allem auch einprägsam und so habe ich mir im Laufe meines Arbeitslebens eine Liste mit Begriffen angelegt.

Und da es für einige Fehler schöne Begriffe gibt, setzte ich mir das Ziel, die Entstehung eines Buches anhand von Fehlern zu erklären.

Ich bin eine »Oldschool-Herstellerin«, ich habe Verlagskauffrau gelernt und Verlagsherstellung studiert, beide Ausbildungsgänge gibt es in dieser Form nicht mehr. Berufe ändern sich und trotzdem finde ich es wichtig, dass bei all der Schnelllebigkeit fundamentales Wissen nicht verloren gehen sollte.

Die Begriffe standen schnell fest. Die Schwierigkeit bestand darin, kurze und verständliche Texte zu den Begriffen zu schreiben. Zudem wollte ich die Fehler visualisieren. Also habe ich mir eine Illustratorin gesucht. Die Zusammenarbeit mit der Illustratorin Lu Säuberlich war der schönste Teil am Entstehungsprozess des Buches. Die Illustratorin hat die Texte gelesen und anhand von ihren Nachfragen wusste ich genau, wo es noch zu kompliziert ausgedrückt ist. Und die größte Überraschung war es dann jeweils, ihre grafische Umsetzung zu den einzelnen Makeln zu sehen. Spannung pur. Und das Buch funktioniert auch so wie ich es mir vorgestellt habe:

Text und Illustration ergänzen sich, zusammen machen sie verständlich, was sonst in Fachbüchern sehr umständlich erklärt ist. So ein Buch hätte ich mir selbst zu meiner Studienzeit gewünscht.

Mein Verlag avedition aus Stuttgart hat mir bei der Umsetzung des Buches weitgehend freie Hand gelassen, wofür ich sehr dankbar bin.

Wer sollte ihr Buch lesen?

Das Buch ist für alle da, die sich entweder beruflich oder als Hobby für die Herstellung von Büchern und Texten interessieren. Ich habe zum Beispiel auch an die wachsende Zahl der Selfpublisher:innen gedacht und natürlich auch an alle Studierenden, allem aus den Bereichen Mediapublishing oder Buch - und Medienwirtschaft. Da in meinem Buch der Bereich »Satz« einen Schwerpunkt bildet, denke ich, dass es für alle die mit Texten arbeiten hilfreich sein kann. Und natürlich für alle Buchliebhaber:innen, die gerne auch mal hinter die Kulissen schauen.

»Buchmakel« ist als ein Fachbuch gedacht, aber nicht nur für Leute vom Fach mit entsprechenden Vorkenntnissen, sondern auch für solche, die es werden wollen.

Was sind die häufigsten Fehler, die gemacht werden?

Die Fehler, die mir am häufigsten auffallen, sind Fehler aus dem Bereich »Satz«. »Rechtschreibfehler« und »Hochzeiten« kommen sehr häufig vor und fallen den Leser:innen auf und können auch schon mal zu Reklamationen oder Beschwerdebriefen führen. Fehler aus dem Bereich »Litho« sind selten geworden, aber »Druck«- und »Bindefehler« kommen ebenfalls häufiger vor. Dabei ist »Abliegen« wohl einer der häufigsten Fehler, aber einen »Schimmelbogen« hatte ich vor kurzem auch.

Allgegenwärtig sind vor allem »Deppenapostrophe«, die man an jeder zweiten Imbissbude finden kann. Schriftliche Makel finden also nicht nur in Büchern statt.

Haben Sie Tipps, wie die häufigsten Fehler am einfachsten vermieden werden können?

Fehler können am einfachsten vermieden werden, wenn man weiß, wann und wie sie passieren. Hier gilt es, dem Schritt im Herstellungsprozess besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Mein Buch ist dabei als Hilfestellung gedacht, um die Leser:innen für diese Stellen im Prozess zu sensibilisieren. Ich denke alle Beteiligten an der Herstellung eines Buches geben stets ihr Bestes und trotzdem kann es immer wieder zu Fehlern kommen. Meiner Erfahrung nach passieren die meisten unnötigen Fehler bei Korrekturen in letzter Sekunde. Da sollte man sich trotzdem noch mal die Zeit nehmen und alles in Ruhe anschauen, gerne auch nach dem 4-Augen-Prinzip. Weil die Produktion von vielen parallelen Titeln uns betriebsblind machen kann, hilft es immer, eine Kollegin oder einen Kollegen nochmal drauf schauen zu lassen.

Manche sagen scherzhaft, dass man nach dem Druck am besten nicht mehr in das fertige Buch hineinschaut, da man trotz aller Gründlichkeit wahrscheinlich immer noch Fehler finden wird – können Sie sich an einen Fehler erinnern, den Sie selbst besonders ärgerlich gefunden haben?

Ich hatte schon einige Fehler, die mich geärgert und schlaflose Nächte gekostet haben. Aber das waren dann meistens Fehler, die am Ende niemand bemerkt hat. Einmal habe ich ein Bild verpixelt, das war dann unangenehm, weil solche Fehler Kosten Geld, wenn ein Bogen nachgedruckt werden muss oder die Autoren sich dann zurecht ärgern.

Es stimmt schon, frisch gedruckte Bücher prüfen wir Hersteller:innen immer mit etwas Ehrfurcht. Aber die Erfahrung zeigt, es wird niemandem der Kopf abgerissen, wenn in einem Buch ein Fehler ist. Schließlich wissen wir alle, dass es Bücher ohne Fehler nicht gibt.

Würden Sie den Leser*innen gerne noch etwas mitteilen?

Autor:innen arbeiten teilweise Jahre an Ihren Manuskripten und deshalb sollten alle Beteiligten am Herstellungsprozess eines Buches immer mit großem Respekt und Sorgfalt arbeiten. Buchherstellung ist Teamarbeit, bei der immer wieder Fehler passieren. Wir sollten diese Fehler dann genau anschauen, um daraus zu lernen.

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